Der Sommer kommt langsam in die Gänge. Was macht bei 30 Grad im Freien zu dieser Zeit aber ein Eishockey-Club? Er plant die neue Saison. Auch beim ESC Erfurt wird derzeit eifrig am Rumpfteam der Black Dragons für die neue Regionalligasaison gefeilt.
Ein Blick aufs Papier genügt und der Sektionschef Eishockey, Thomas Belitz, hat parat, wer in der kommenden Saison in der Regionalliga Ost das Dress der Schwarzen Drachen aus Erfurt trägt, wer noch wackelt, wer draußen ist. Das Wichtigste sagt er gleich zu Beginn: "Es wird im Vergleich zu den Vorjahren ein Luxuskader". Man profitiert dabei genau wie alle anderen drei Sektionen von einem kräftigen Sponsorenzulauf und einer daraus resultierenden Etataufstockung um 18 Prozent. 250 000 Euro stehen der Sektion Eishockey für seine Teams aller Altersklassen zur Verfügung.
Mit Harald Kuhnke steht ein 184-facher ehemaliger DDR-Nationalspieler als neuer Cheftrainer an der Spitze (TA berichtete). Dessen gute Verbindungen haben einige Neuzugänge gesichert und seine große Akzeptanz im Team und im Vorstand lässt den Club optimistisch auf die neue Saison blicken. Im Tor gesetzt sind Ralf Scheibe und Manuel Groß. Ob Benno Funke bleibt, entscheidet sich nach dem Trainingslager im August. Kuhnkes rechte Hand wird der beliebte Tscheche Jan Vavrecka sein, der nochmals einen Vertrag für ein Jahr unterschrieb. Von seiner Routine soll das Team profitieren. Im Schlepptau hat Vavrecka einen weiteren tschechischen Recken - Marek Pospisil, ein 29-jähriger Stürmer aus Ostrava. Zwar steht dessen Unterschrift noch aus, doch Belitz ist zuversichtlich, dass er ab September in Erfurt spielt.
Neu in der Verteidigung ist zudem Tobias Bunk (21) aus Berlin bzw. Bad Nauheim und Markus Schneider (20) von den Eisbären Juniors. Beide sollen an der Seite von Michael Ortmann, Igor Scharonin, Ekki Deutschmann und Erik Wünsche Gegentreffer verhindern. Klappt es mit einer Lehrstelle für ihn, ist der Wechsel sicher. Hinter dem Namen Vitali Geist steht indes ein Fragezeichen. Obwohl ihm der ESC alle Wege ebnete, liebäugelt der Verteidiger mit einem Wechsel nach Halle. Dass dort Chaos herrscht und sich mittlerweile zwei Klubs ohne Spieler und Geld, dafür mit Schulden Konkurrenz machen, scheint den Youngster nicht zu stören.
Einig ist man sich bei den Dragons indes mit den bewährten Erfurter Stürmern Maik Kramer, Marcel Weise, Oliver Otte, Philip John, Robert Schmidt, André Tscheschel und Christian Wiesemann. Auch Eduard Geraskin ist wieder ein Thema. Dazu kommen Rückkehrer Marco Reichert und Neuzugang Denis Schmunk (21) aus Neuss. Schmunks Freund Sven Johannhardt ist indes aus dem Rennen. Zu lange ließ er den ESC-Vorstand zappeln. Erst als man ihm mitteilte, man wolle ihn deswegen nicht mehr, meldete er sich. "Zu spät. In meiner Planung kommt er nicht mehr vor", so Belitz. Auch der ebenfalls noch pokernde Markus Semlow steht hart auf der Kippe.
Wenn alles klappt, verstärken künftig einige andere Hochkaräter den ESC-Sturm. Verhandelt wird derzeit mit dem Ex-Erfurter Daniel Bielas, der von den Querelen seines Klubs in Halle die Nase voll hat. Umworben wird zudem der 22-jährige Markus Schramm (Selb), der in Erfurt studieren will. Definitiv ein Drache wird der 29-jährige Rumid Masche aus Rostock. "Ein guter Mann, den Harald Kuhnke mit gebracht hat", sagt Belitz. Ebenfalls ein Werk des neuen Trainers ist die Verpflichtung des ehemaligen Jung-Eisbären Robert Zander (17). Vom großen Talent, das schon in der DNL gespielt hat, erwartet man sich perspektivisch sehr viel.
Ingesamt planen die Black Dragons mit einem 25-köpfigen Aufgebot, mit dem "definitiv die Playoffs im Januar erreicht werden sollen", wie ESC-Präsident Holger Eden unmissverständlich klar macht. Am 16. August trifft sich das Team zu einem einwöchigen Trainingslager, bei dem sich, wie auch in einigen Vorbereitungsspielen gegen attraktive Gegner die drei Stammreihen heraus kristallisieren sollen. "Auf dem Papier haben wir einen sehr homogenen Kader", ist sich Belitz sicher. Mit ihm soll "attraktives, offensiver Eishockey" geboten werden.
Eine Neuerung lässt Belitz dann aber erst ganz zum Schluss heraus. Er hat sich bereit erklärt, neben den Kleinschülern auch die Bundesliga-Junioren nach dem Ausscheiden von Trainer Ferdl Karger für eine Saison zu trainieren. Die Personalnot lasse keine andere Variante zu und das Team sei zu wichtig für Erfurts Zukunft im Eishockey, begründet der Sportlehrer seinen lange überlegten Schritt. Von Michael KELLER
Quelle : Thüringer Allgemeine , 08.07.2004 ,
www.esc-erfurt-black-dragons.de