Bärliner
17th August 2004 - 23:20:24
ZITAT(BeBe @ 17th August 2004 - 19:01:33)
Gluck Gluck - weg war sie. Bin ich froh , daß die Franzi-Hysterie endlich vorbei ist!
Gold versinkt im Meer aus TränenDAS FRANZI-TRAUMA Sie bleibt bei Olympia ohne Einzel-GoldFranziska van Almsick hat alles gegeben. Gekämpft und gekämpft und gekämpft und gekämpft. Vier 50-m-Bahnen lang. Aber sie konnte ihren großen Traum nicht erzwingen. Nur Platz 5 über 200 Meter Freistil. Wieder kein Olympiasieg. Tapfer stellt sie sich den Kameras und Mikrofonen, doch dann realisiert sie: "Oh, Mist, dass mir das beim letzten Mal passiert." Franzi weint, Franzi schluchzt hemmungslos. Gold, ihr Gold, versinkt in einem Meer aus Tränen.
Vier Jahre zählte nur dieser Tag. Seit der Enttäuschung von Sydney. Seit zwei Jahren trug sie die Hoffnung in sich. Seit dem Weltrekord von Berlin.
Der 17. August 2004 – hat jemals ein Sportler öfter an einen Tag gedacht? An die 41. Minute nach 19 Uhr Ortszeit. Den Starttermin für das Finale in Franzis Paradestrecke.
Die Eltern sind da. Jutta und Bernd. Dort auf der Tribüne im Aquatic Center. Angespannt und bleich. Wie kann es anders sein, wenn das Kind dem größten Traum auf der größten Bühne nachhetzt?
Der Freund ist da. Stefan Kretzschmar, der Handballer. Hat freibekommen vom Bundestrainer. Bleibt im Hintergrund. Gar nicht mehr so cool wie sonst. Ein Nervenbündel.
Wie Franzi. Alles weggeblockt mit den riesigen Ohrhörern. Verfluchte Welt. Bleib' mir vom Hals. "Auf dem Startblock dachte ich nur: In fünf Minuten ist alles vorbei", sagt die 26-Jährige später. Es dauerte nur 1:58,88 Minuten – aber das waren 85 Hunderstel zuviel.
Ging Franzi zu schnell an? Hatten die Trainer mit der Devise "Gold gibt es nur für einen Weltrekord" eine fatale Fehleinschätzung hingelegt?
Fragen (noch) ohne Antwort. Fakt ist: Franzi führte nach 100 Metern und ging zusammen mit ihrer ärgsten Verfolgerin, Dana Vollmer (USA), brutal ein. Fünfte und Sechste am Ende. Gold holte sich die Rumänin Camelia Potec in 1:58,08 – das schwamm Franzi vor zwei Wochen noch locker im Training.
Es ist vorbei. Alles ist vorbei. In Berlin stöhnen die Fans ihres Vereins SG Neukölln, die im Sommerbad Britz mitfieberten. Auf der Tribüne verteidigt Jutta van Almsick ihre Tochter mit der Vehemenz, die nur Mütter haben können. "Mir geht es gut. Und Franzi wird mit Platz 5 leben können. Endlich ist die Hatz vorbei." Der Rücktritt nach Athen ist ja längst beschlossene Sache.
Aber die Hatz ist noch nicht vorbei. Unten im Schwimmstadion steht Franzi. Tapfer. Unglaublich tapfer. "Ich bin über meine Zeit stocksauer. Ich war so verkrampft." Sie redet und weiß gar nicht mehr, welche Worte aus ihrem Mund fließen. "Ganz Deutschland hat vor der Glotze gesessen. Das habe ich gespürt."
Aber es hat sie nicht beflügelt. Der Erwartungsdruck hing wie ein Mühlstein an ihrem Hals. Franzi redet und redet. "Ich will noch eine Medaille. Die Staffel gibt es ja noch." Dann die Erkenntnis. Sie ist ihr letztes Einzelrennen bei Olympia geschwommen. 4413 Tage nach ihrem ersten Auftritt 1992 in Barcelona.
Franzi fasst sich ins Gesicht. Jetzt erst kommen die Tränen. Keine Macht der Welt kann sie mehr aufhalten. Zum Glück ist ein Offizieller da, der Franzi beschützt. Wegführt. Ins Dunkel der Katakomben.
Auf der anderen Seite des Beckens werden gerade die Medaillen verliehen...
(bln-kurier)